Interviews
James Blunt ganz privat
Autor Michael Fuchs-Gamböck über den Popstar und seine neue Biografie "High - Die James Blunt Story"
Eindrucksvoller könnte eine Musikerkarriere kaum sein: Ein kleiner sensibler Junge namens James wächst im England der 1970er Jahre in einem strengen Militärhaushalt auf, geht nach der Schule auf Wunsch seines Vaters zur britischen Armee und wird während der Kriegszeit für ein halbes Jahr im Kosovo stationiert. Zurück kehrt er mit Bildern von Elend und Tod im Kopf sowie seiner Gitarre unter dem Arm.
Sie haben früher als Journalist für verschiedene Magazine (z.B. Cosmopolitan, Wiener, Playboy) geschrieben. Wie sind Sie dann eines Tages dazu gekommen, Promi-Biografien zu verfassen und nicht mehr klassisch journalistisch zu arbeiten?
Ich bin in einer Zeit groß geworden, wo es noch kein Internet gab, und man dachte, mit Biografien werden Dinge auch archiviert. Damals war das relativ einfach mit Künstlern in Kontakt zu kommen und denen zu sagen: "Mensch, ich schreib was." Da wollte dafür auch noch niemand Geld. Man hat sich dann 1-2 Tage zum Interview getroffen, das man in den sonstigen Text, dessen Inhalte man recherchiert hatte, eingebaut hat und fertig, ganz klassisch. Inzwischen ist das sehr schwierig geworden mit autorisierten Fassungen und so, d.h. es wird häufig Künstlern dafür Geld bezahlt, dass sie ihr OK zu einem Buch geben. Xavier Naidoo war da sehr nett und hat das nicht gemacht, während Rammstein ein Negativbeispiel sind. Die haben sich auf nichts eingelassen und die Biografie wird mittlerweile auch nicht mehr verkauft.
Arbeiten Sie ausschließlich nur auf Auftrag eines Verlags?
Nein, das ergibt sich meist irgendwie. Entweder recherchiere ich selbst etwas, was ich dann später einem Verlag anbiete, oder - wie im Falle von James Blunt - war das eine spontane Idee einer Dame bei Warner, da ich eh schon an einer Biografie für einen anderen Künstler saß. Der Auftrag kam jedoch letztendlich über einen englischen Verlag, weil es dort auch noch keine Biografie zu James Blunt gibt.
Wird dann Ihre Biografie auch ins Englische übersetzt und dort erscheinen?
Das wissen wir noch nicht, darüber verhandeln wir noch.
Wen würden Sie gerne noch in Ihrem Leben einmal unbedingt interviewen?
Von den Lebenden?
Ja, Johnny Cash oder so zählt jetzt nicht.
Van Morrisson, weil der schon mal im Hotelzimmer neben mir war, ich es aber nicht wusste und meine Chance nicht ergreifen konnte, und auf jeden Fall Neil Young. Wegen dem habe ich mir sogar mein Handy gekauft, damit ich mir so eine Chance nicht entgehen lasse, nur weil ich nicht zu erreichen bin (grinst).
Wie nahe kommen Sie den Künstlern, über die Sie schreiben? Ergeben sich auch schon mal private Treffen daraus?
Das kann schon mal vorkommen: Mit Eros Ramazotti hab ich schon den einen oder anderen Abend was getrunken und Gianna Nannini hat mich geknutscht um mir zu beweisen, dass sie nicht lesbisch ist, das kann schon mal passieren (lacht).
Beschreiben Sie doch bitte einmal unseren Lesern, wie man anfängt ein Buch über einen Menschen zu schreiben, den man bis dahin gar nicht kennt, zumindest ja nicht persönlich?
Normalerweise würde man anfangen, ausführlich über den Künstler zu
recherchieren und möglichst viel über ihn zu erfahren. Bevor man ein Interview führt, ist Vorbereitung das Wichtigste. Bei James lief das etwas anders: Ausschlaggebend war bei ihm wirklich damals ein kleines Konzert in München vor gerade mal 23 Leuten. Ich hab ihn da interviewt, als ihn noch keiner kannte. Auf einem späteren Interview nach seinem Erfolg, etwa ein halbes Jahr später, hat er mich dann wiedererkannt - wahrscheinlich wegen meines großen Kopfes (lacht). Und wir haben
uns dann einfach auch ganz gut verstanden, ich mag auch seine Art und den englischen Humor sehr. Außerdem hat mich seine Geschichte einfach fasziniert und ich wusste, dass ich darüber schreiben möchte.
Wie kam es dazu, dass Sie damals schon auf diesem kleinen Konzert im Münchner "Feierwerk"-Club waren? Hatten Sie damals schon den "richtigen Riecher" oder waren Sie eingeladen?
Das ist eine sehr witzige Geschichte (lacht laut): Warner hatte mich zu dem Konzert eingeladen, aber eigentlich wollte ich gar nicht hingehen, da mir die Songs, die ich gehört hatte, jetzt nicht so richtig gut gefallen hatten. Ich hab mich dann aber an dem Abend mit meiner Freundin gestritten und bin dann doch hingegangen. Immerhin besser, als sich weiterzustreiten, dachte ich. Und dann fand ich James Blunt richtig gut und hab damals schon auf dem Konzert gedacht: "wenn aus dem nichts wird...". Letztendlich habe ich dann nachher noch mit ihm ein paar Bier
getrunken und mich später mit meiner Freundin versöhnt - happy end also (lacht sympathisch).
In Ihrem Buch nennen Sie ganz konkrete Verkaufszahlen und andere Daten. Ich dachte immer, solche Angaben seien "geheim". Woher haben Sie sie? Recherchieren Sie das alles selber oder geht so etwas gar nicht ohne die Unterstützung vom Label?
Das ist pure Recherche. Das machen alles mein Co-Autor und ich. Wir gucken im Internet, rufen verantwortliche Stellen an, auch beispielsweise für Chart-Platzierungen - das ist wirklich alles reine Recherche, da hat das Label nichts mit zu tun.
Verraten Sie uns Ihren Trick, wie Sie es schaffen, den Stars Informationen zu entlocken?
Das liegt vielleicht an meiner Art, dass ich zu Terminen immer ganz entspannt hingehe. Normalerweise gehe ich auf die zu und sag: "Ich bin Fuchs-Gamböck, lass uns nen lustigen Job machen" - ganz locker. Klar bin ich gut vorbereitet, das erwarten die auch, gerade je bekannter die sind, aber ansonsten kann man auch einfach eine Menge Spaß haben, natürlich ohne dabei den Ernst zu ignorieren, dass man ja was schreiben muss.
Ist es schwieriger ein Buch über Künstler zu schreiben, die deutlich jünger und damit in einer anderen Zeit groß geworden sind und eine andere Sprache sprechen, als man selbst, als über Künstler wie James Blunt oder Genesis, die bestenfalls in einem ähnlichen Alter sind?
(lächelt) Das ist eine berechtigte Frage. Da hilft mir natürlich meine frühere freie Tätigkeit für Magazine wie Sixteen und BRAVO Girl. Und, das gebe ich offen zu mit meinen 42 Jahren, Schreiben ist ein Handwerk - gelernt ist gelernt.
In Ihrem Buch werden einige Stellen deutlich wertend beschrieben, wie beispielsweise gleich zu Beginn im 1. Kapitel "...der Vater war zeit seines Lebens ein karrieregeiler Berufssoldat...". Wer nimmt solche Wertungen vor, Sie?
Nein, das hat mir Blunt selbst im ersten Interview so erzählt. Das war genau seine Aussage, sonst hätte ich die auch nicht verwendet.
Was dürfen die Fans von der James Blunt-Biografie erwarten?
Es ist ein Fan-orientiertes Buch. Aussagen, dass James Blunt der beste Künstler schlechthin ist, oder so, kommen dort aber trotzdem nicht vor. Die Leser sollen die Geschichten schon schnörkellos erfahren. Dabei beschreiben wir die Geschichte eines 33-jährigen Mannes in all seinen Phasen, seine komplette Erfolgsgeschichte und haben uns nicht auf eine Phase seines Lebens focussiert oder so.
Wenn Sie James Blunt in fünf Worten beschreiben müssten, was würden Sie über ihn sagen?
very british, scheu, liebenswert, zuvorkommend, intelligent
Auszug aus dem Buch
"Natürlich ist es prima, wenn einzelne meiner Songs im Radio gespielt werden, weil sie dann auch Leute zu hören kriegen, die sich normalerweise in keinen Plattenladen verirren. Doch prinzipiell habe ich schon in dieser Zeit, in der ich noch nicht selbst im Musikgeschäft war, immer das Ganze von einem Künstler hören wollen, nicht nur einzelne Stücke. Erst dadurch kann ich mir schließlich ein komplettes Bild von ihm und seiner Arbeit machen. In dieser Beziehung bin ich sehr altmodisch! (...) Zudem halte ich es für eine Frage des Respekts dem Künstler gegenüber, sich seine komplette Scheibe anzuhören, wenn der Künstler ernst zu nehmen ist. (...) Wenn mir die Medien an den Kopf knallen, ich wäre retro, würde wie die Bands in den 1970ern klingen, dann betrachte ich das als Kompliment, nicht als Vorwurf. Rock-Musik in jenen Zeiten war aufregend, ein Abenteuer, in kein Format gepresst. Dahin möchte ich mit meiner Arbeit kommen, dieses Feeling will ich wieder aufleben lassen! Zwar bin ich in den 1970ern geboren, doch mein Geist ist definitv von damals geprägt."
(James Blunt im Interview vom 10. September 2007, In: "High - Die James Blunt Story", Kapitel 14)
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Hintergrund zu Michael Fuchs-Gamböck und Co-Autor Thorsten Schatz
Fuchs-Gamböck wurde am 10.3.1965 im bayrischen Friedberg geboren und wohnt heute in Augsburg. Schon in seiner Pubertät begeisterte sich Michael Fuchs-Gamböck für Musik und Literatur und beginnt zu schreiben. Bis heute führte er mehr als 4.000 Interviews und gewann unter anderem 1985 den Literatur-Nachwuchspreis des Theaterfestivals München, und sein Buch "Popstars backstage" wurde 2004 von der Stiftung Buchkunst unter die schönsten Bücher des Jahres gewählt. Unter anderem veröffentlichte er 17 Biographien, z.B. über Genesis, LaFee, Caught in the Act, Tokio Hotel, Xavier Naidoo oder jüngst James Blunt. Als nächstes wird Anfang 2008 ein Haustier-Ratgeber für den Kinderschutzbund von ihm erscheinen, sowie das Buch "Jetzt und wir", ein Werk über die neue Generation deutscher Musiker. Außerdem verriet Fuchs-Gamböck im Interview, dass er ebenfalls noch für 2008 eine Biografie zur Erfolgsband "Seeed" plant und über eine Entertainment-Politik-Story über Gabriele Pauli nachdenkt.
Wie bei vielen seiner Biografien zuvor, stand Michael Fuchs-Gamböck für die Blunt-Biografie Thorsten Schatz (geboren am 22.12.1968 in Bad Harzburg, wohnhaft in Hannover) als Co-Autor zur Seite, ebenfalls ein erfahrener Texter. Die beiden hatten sich bei der Arbeit zum gemeinsamen Buch über Tokio Hotel kennengelernt, mit dem sie einen Top 1-Bestseller verfassten. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Interessensgebiete harmonisiere man sehr gut, wie Fuchs-Gamböck mitteilte: "Seitdem haben wir sieben Bücher zusammen gemacht, inklusive der James Blunt-Biografie, alle in diesem Jahr. Wir waren fleißig, aber ich hab ja auch nichts anderes zu tun."
